Zusammenfassung einer Diskussion aus der Mailingliste Deutschunterricht (
http://de.groups.yahoo.com/group/deutschunterricht), die sich über neue Mitglieder freut:
Ich bin auf der Suche nach einer gerechten Beurteilung von Gruppenarbeiten. Wir haben ein größeres Klassen-Projekt, Gymnasium Klasse 9, hinter uns, welches auch in einer Aufführung mündete. Die Gruppengrößen waren unterschiedlich. Es wurde zuhause und in der Schule gearbeitet. Die Klasse wusste von Anfang an, dass das Projekt mit der Gewichtung einer Klassenarbeit gewertet wird und kannte alle Kriterien. Nun suche ich eine Art der Beurteilung ähnlich einem Punktesystem, wo die Schüler eevntuell innerhalb ihrer Gruppe selbst mitbestimmen können, wer wie viel Punkte erhalten soll. Hat irgendjemand von Euch ein Patentrezept? Die Gruppengrößen schwankten je nach Aufgabenstellung zwischen 2 und 8 Personen. Eine Beurteilung meinerseits, die alle in der Gruppe gleich behandelt, möchte ich umgehen.
Projekt heißt: Prozess und Produkt, d. h. man kann den Arbeitsprozess
bewerten (Wer hat wie mitgearbeitet, wer hat sich wie eingebracht usw. -
hier kommt es auf prozessbegleitende Beobachtung [sollte schon gelaufen
sein] an) und man kann das Produkt bewerten (Haben die Gruppen ihren Auftrag
erfüllt, d. h. zu einem gemeinsamen Produkt [Aufführung] konstruktiv und
nach Kräften beigetragen? Haben die Gruppen (2-er-Team?) z. B. den Aushang
zur Bewerbung der Aufführung gut gestaltet, war das kreativ, sprachlich
richtig, innovativ ansprechend? Hier würde ich je nach Teil-Produkt
unterschiedliche Kriterien anlegen (Wieviel Text wurde gelernt, wie wurde
auf der Bühne gesprochen, wurden Nebenrollen sinnvoll ausgefüllt???).
Ergänzend können - das findet sich immer wieder in der Literatur - an die
Gruppen Punkte zur gemeinsamen Verteilung ausgegeben werden. Die so
vergebenen Punkte würden anschließend wieder von der Lehrkraft bei der
eigenen Notenbildung berücksichtigt. Deutlich machen: Ich - der Lehrer/die
Lehrerin - vergebe die Punkte.
Persönlich habe ich diesen ergänzenden Vorschlag noch nie umgesetzt, weil
ich etwas Sorge vor gruppendynamischen Prozessen habe. Bis Klasse 7 soll das
eher problematisch sein, möglicherweise ist ab Klasse 9 etwas Ernüchterung
mit im Spiel.
In der Geschichtsdidaktik kann ich zum Thema Gruppenarbeit / Kooperatives
Lernen wärmstens die kleine Einführung von Peter Adamski empfehlen. Dort
findet man alles gut und verständlich dargestellt.
Ich kann die Idee, den Gruppen Punkte zur Selbstvergabe zu geben, nur unterstützen. Ich setze dieses Prinzip in fast allen meinen Klassen bei einer zu bewertenden Projekt-/Gruppenarbeit ein und kann bis jetzt sagen, dass die Schüler da wirklich sehr ehrlich und fair, natürlich zum Nachteil der eher "Unmotivierten", sind.
EIn praktisches Beispiel: bewerte ich eine Gruppenarbeit mit 8 Punkten und befinden sich 4 Mitglieder in der Gruppe, gibt es für die Gruppe 8x4 Punkte = 32 Punkte. Die verteilen die Schüler untereinander und geben mir eine Rückmeldung. Die letzte Entscheidung liegt aber bei mir.
Ich finde das in Ordnung, weil viele Arbeiten auch zu Hause erledigt werden und das kann man zT doch schlecht einschätzen.